Die Baden-Württemberger haben entschieden: Frank Hoffmann aus Stuttgart-Vaihingen hatte die beste Idee Baden-Württembergs. Im Rahmen der Hit-Radio ANTENNE 1-Aktion „Was tun Sie für 100.000 Euro?“ war der 23-Jährige Kurierfahrer 82 Kilometer in einem Rollstuhl von Stuttgart nach Heilbronn gefahren. Und das, obwohl er kerngesund ist und ganz normal laufen kann. 34 Stunden war er auf dem Neckartalradweg unterwegs, um auf die Situation körperlich behinderter Menschen aufmerksam zu machen und natürlich 100.000 Euro abzuräumen. Die Idee kam an: Mit 82,3 Prozent der Stimmen haben ihn die Baden-Württemberger zum Sieger gewählt. Von den 100.000 Euro will er nun die Hälfte an Einrichtungen für körperlich Behinderte in Baden-Württemberg spenden.
„Ich kann es gar nicht fassen, ein Traum wird wahr“, schluchzt Frank völlig überwältigt als Bezirksnotar Siegfried Schneider am Mittwochmorgen das Ergebnis im Sendestudio verkündet. „Ich freue mich, dass ich am Ende für meinen Einsatz von den Baden-Württembergern belohnt worden bin“, ist er überglücklich. Nach der Entscheidung fällt die ganze Anspannung von ihm ab. „Ich bin seit 30 Stunden auf den Beinen, weil ich vor Aufregung kein Auge mehr zugemacht habe“, sagt der Kurierfahrer, der noch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch Zeitungen ausgefahren hat. „Jetzt bin ich der glücklichste Mensch der Welt“, strahlt er. Von den 50.000 Euro, die er für sich behält, will der junge Mann sich jetzt ein neues Auto gönnen und einen Traumurlaub mit Freundin Nicole (18) am berühmtesten Strand der Welt – dem Waikiki Beach auf Hawaii.
Mit einem herkömmlichen Rollstuhl war der junge Mann vor zwei Wochen von Stuttgart-Bad Cannstatt nach Heilbronn gefahren. Bei Wind und Wetter rollte er am Neckar entlang, täglich um die zehn Stunden. „Ich wollte mit der Aktion auf die Probleme von körperlich benachteiligten Menschen aufmerksam machen“, erklärt der Stuttgarter seine Motivation für die ungewöhnliche Rollstuhlfahrt. Als Kind und Jugendlicher sei er ein „kleiner Chaot“ gewesen und deshalb häufig im Krankenhaus gelandet. Dort sei er immer wieder mit behinderten Kindern zusammengetroffen und auf ihre Probleme aufmerksam geworden. Auch in einem Rollstuhl habe er dabei schon mal „Probe gesessen“ und festgestellt, wie schwierig es ist, sich damit zu bewegen. „Das hat mich geprägt und schließlich auch auf die Idee für die Aktion gebracht“, erzählt der sportliche junge Mann. Eine Idee, die auf breite Unterstützung traf. Unzählige Baden-Württemberger kamen während Franks Tour an die Strecke, feuerten ihn an oder versorgten ihn mit Essen und Getränken. Die Rollstuhlsportler vom Rollstuhlsportverein Heilbronn (RSV) brachten ihm sogar einen neuen Rollstuhl und gaben ihm Tipps und Tricks im Umgang damit. Und auch der Rehabilitations-Sportverband der Rollstuhlfahrer im Land war begeistert. „Wir finden es toll, dass jemand auf diese Weise unsere Probleme einem großen Publikum vor Augen führt“, so Günther Lerchner, selbst Rolli-Fahrer. Nach drei Tagen voller Anstrengungen, heftigem Muskelkater und dicken Blasen an den Händen rollte Frank schließlich auf dem Heilbronner Kiliansplatz ins Ziel. „Schon damals war mir klar, egal ob ich gewinne, es hat sich jede Anstrengung gelohnt“, so Frank.
Sechs Wochen hatte der baden-württembergische Privatsender Hit-Radio ANTENNE 1 seine Hörer gefragt: „Was tun Sie für 100.000 Euro?“, um die beste Idee am Ende mit dieser Summe zu belohnen. Mehr als 4.500 Vorschläge waren daraufhin beim Sender eingegangen. Drei Ideen wurden letztlich realisiert. Als erster Kandidat hatte Tilo Salameh (30) aus Alpirsbach im Kreis Freudenstadt sein strahlend weißes Haus von unzähligen Kindern kunterbunt anmalen lassen. Frank ging als Zweiter an den Start. Den Schlusspunkt setzte vergangene Woche Michaela Munz (24) aus Ostelsheim im Kreis Calw, die zusammen mit ihrer Schwester Martina (28) für drei Tage und drei Nächte in einer Telefonzelle am Sindelfinger Marktplatz lebte. Beide Kandidaten gehen jetzt leer aus. „Natürlich sind wir traurig, aber wir gönnen Frank den Sieg“, sind sich alle einig.
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